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Re: Fred Bergsten on war and boom



I recall seeing studies that show the multiplier from military expenditures being less than for other government expenditures.  If this is the case, reducing social welfare (or other non-military) expenditures in order to spend an equivalent amount on defense would result in a decline in GDP.

Lonnie K. Stevans
acslks@xxxxxxxxxxx


>>> "g kohler" <kohlerg@xxxxxxxx> 03/24/03 09:38AM >>>
Economist Fred Bergsten (USA) predicted that the war against Iraq will lead
to an economic boom for the United States and the world economy. (Interview
in Tagesspiegel (daily, Germany), 24 March 03) The arguments are along lines
of military Keynesianism. I submit that an ecological post-Keynesianism (for
sustainable global, national, and local development) would be a much better
deal for the world and would not require war(s) for creating boom(s).

Gert

---------------------------

FromTagesspiegel" (Berlin) 24.03.2003
[sorry, it's too much to translate it for pkt]

"Die USA stehen vor einem Wirtschaftsboom"

Der amerikanische Ökonom Fred Bergsten über die Folgen der US-
Invasion im Irak für die Weltkonjunktur und die internationalen
Beziehungen

Herr Bergsten, ist der Krieg eine Gefahr für die Weltwirtschaft?

Nein. Der Krieg wird der Weltwirtschaft und der Entwicklung in den USA
sehr gut tun.

Das ist sehr zynisch.

Der Krieg schafft aber zum einen die große Unsicherheit aus der Welt,
die die wirtschaftliche Aktivität in den vergangenen sechs Monaten
gedämpft hat. Wir haben sehr deutlich gesehen, dass Investitionen
zurückgehalten worden sind und Unternehmen die Lösung des Konflikts
abwarten wollten. Auch die Verbrauchernachfrage ist hinausgezögert
worden, das Konsumentenvertrauen ist gesunken. Vieles davon ist auf
den Krieg zurückzuführen.

Welche Rolle spielt dabei der Ölpreis?

Er ist bereits dramatisch gefallen, als klar war, dass es Krieg gibt. Er
wird noch weiter fallen - vermutlich um 10 bis 15 Dollar pro Barrel. Das
wird ein sehr großer Beitrag für die Erholung der Weltwirtschaft in den
kommenden Monaten sein.

Wie stark wirkt sich das aus?

Jede Reduzierung des Ölpreises um einen Dollar pro Barrel erhöht die
globale Wirtschaftsaktivität um 30 Milliarden Dollar - zehn Milliarden
davon entfallen alleine auf die USA. Nach dem Golfkrieg 1991 ist der
Ölpreis um etwa ein Drittel gesunken - das war der Beginn eines
zehnjährigen Booms in den USA. Ich glaube, wir werden dieses Mal ein
ähnliches Ergebnis sehen.

Aber diesmal sind doch die Voraussetzungen ganz andere. Die
Weltwirtschaft steht am Rande einer Rezession.

Ein Grund dafür ist wie gesagt die große Unsicherheit, die die weltweite
Wirtschaftsaktivität gelähmt hat. Sie wird durch den Krieg eliminiert, was
dazu führen wird, dass die US-Wirtschaft schon im zweiten Halbjahr
dieses Jahres wieder stark wächst.

Noch ist ein erfolgreicher kurzer Krieg nicht sicher. So besteht die
Gefahr, dass der Irak seine eigenen und fremde Ölquellen
anzündet.

Es ist zwar denkbar, dass irakische Quellen angezündet werden und Öl
verloren geht. Aber das ist nicht viel, vielleicht eine Million Barrel pro
Tag. Das kann leicht durch erhöhte Fördermengen in Saudi Arabien
oder die Freigabe von strategischen Ölreserven in den USA und
anderen OECD-Ländern aufgefangen werden.

Was wird der Krieg den amerikanischen Staatshaushalt kosten?

100 Milliarden Dollar für die eigentlichen Kriegshandlungen sind
vermutlich eine realistische Größenordnung.

Das ist mehr als der Haushalt vieler Staaten.

Aber man muss bedenken, dass das gut für die Wirtschaft ist. Das sind
zusätzliche Staatsausgaben, eine Art keynesianischer Stimulus. Wir
haben keine Vollbeschäftigung, und wir haben auch kein ein
Inflationsrisiko. Die Ausgaben sind also ein Impuls für die US-Wirtschaft
und werden die Wirtschaftsleistung sowohl in den USA als auch in der
Welt erhöhen.

Können sich die USA angesichts steigender Haushaltsdefizite
überhaupt zusätzliche Staatsausgaben leisten?

100 Milliarden Dollar sind zwar viel Geld, aber das ist weniger als ein
Prozent des US- Bruttoinlandprodukts. Allerdings könnten die massiven
Steuererleichterungen, die die US-Regierung gerade plant, langfristig
ein Haushaltsproblem schaffen.

Das Weiße Haus sagt aber, die stotternde US-Konjunktur braucht
die Abschaffung der Dividendensteuer und die vorgezogene
Einkommensteuerreform.

Ich bin zuversichtlicher als die US-Regierung und glaube, wir brauchen
kein zusätzliches Konjunkturprogramm. Zudem wird die Abschaffung
der Dividendenbesteuerung kurzfristig noch nicht einmal große
stimulierende Wirkungen entfalten.

Welche Auswirkungen haben die Kosten für den Wiederaufbau des
Iraks auf die langfristigen Haushaltsprognosen?

Das sind ebenfalls zusätzliche Staatsausgaben und damit gut für die

Wirtschaft. Zudem werden sie zum Großteil vom Irak selbst finanziert.
Wer immer für den Wiederaufbau verantwortlich sein wird, wird sich vor
allem darum bemühen, dass sich die irakische Wirtschaft schnell erholt.
Dazu gehört, die irakische Ölproduktion zu steigern und die Erträge
daraus für die Sanierung des Landes zu verwenden.

Trotzdem verliert der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. Ist das
ein Zeichen, dass die ausländischen Investoren ihr Geld lieber
woanders anlegen?

Nein. Die USA haben schon immer große Summen unproduktiv in das
Militär investiert, ohne dass das die von Ihnen beschriebenen Folgen
hatte. Unser Militärbudget liegt heute bei über 300 Milliarden Dollar pro
Jahr. Während des Kalten Krieges beispielsweise, als wir einen noch
größeren Anteil unserer Wirtschaftsleistung für das Militär ausgegeben
haben, haben wir immer noch große Kapitalzuflüsse verzeichnet.

Der Dollar wird also nicht weiter verlieren?

Doch, aber aus anderen Gründen. Wir befinden uns einfach in einer
Korrekturphase für einen substanziell überbewerteten Dollar, was sich in
unserem massiven Leistungsbilanzdefizit zeigt.

Was heißt, dass die USA mehr Geld aus dem Ausland brauchen,
als sie selbst an Waren und Dienstleistungen verkaufen. Wie
gefährlich ist dieses Defizit?

Verglichen mit allen anderen Ländern haben die USA wahrscheinlich
das stärkste wirtschaftliche Fundament. Das Wachstumspotenzial der
US-Wirtschaft liegt jetzt bei 3,5 bis vier Prozent wegen des großen
Produktivitätswachstums, das wir in den 90er Jahren hatten. Wenn ich
Recht habe und der Krieg tatsächlich die Konjunktur ankurbelt, dann ist
es gut möglich, dass die US-Wirtschaft in der zweiten Hälfte dieses
Jahres um vier bis fünf Prozent wächst. Dann werden die
Kapitalzuflüsse in die USA wieder steigen.

Wie wichtig ist es, dass bis dahin die internationalen Beziehungen
der USA mit ihren Partnerländern in Europa wieder stimmen?

Das spielt eine außerordentlich wichtige Rolle. Aber ich glaube, dass
alle Parteien sich nach dem Krieg sehr stark bemühen werden, den
Scherbenhaufen so schnell wie möglich zusammenzufegen.

Wieso sollten sie?

Unter anderem aus ökonomischen Gründen: Weltweite Investoren und
Unternehmer fühlen sich nicht wohl, wenn unter den größten
Wirtschaftsnationen große Streitigkeiten und Konflikte herrschen. Wenn
man es sich erlauben würde, die Spannungen fortzuführen, würde das
einen negativen Effekt auf die Weltwirtschaft und die Aussichten auf
eine Erholung haben. Die Parole der Nachkriegsperiode muss
Versöhnung sein.

Bislang macht die Bush-Regierung keine großen Anstalten in diese
Richtung. Im Gegenteil, die Parole lautet: mit oder gegen uns.

Ich glaube, sie wird erkennen, dass sie das mildern muss. Sie wird so
viel internationale Hilfe wie möglich für den Wiederaufbau des Irak
wollen, ebenso für den gesamten Nahen Osten, und sie will mit Europa
und Japan daran arbeiten, die wirtschaftlichen Aussichten zu
verbessern. Im Moment mag die US-Regierung eher verletzt und
rachsüchtig sein. Aber wenn der Krieg vorbei ist und sie mit der Realität
der Nachkriegsphase konfrontiert wird, wird sie sich ebenfalls um eine
Aussöhnung bemühen.

Was bedeuten die aktuellen Streitigkeiten für den internationalen
Handel, wo es auch vorher bereits erhebliche Spannungen gab?

Einige Abgeordnete haben zwar über Vergeltung geredet, aber ich
glaube, das ist total unmöglich. Die USA können sich nicht an
Frankreich rächen - sie würden dann auch der Europäischen Union und
damit ihrem engen Verbündeten Großbritannien schaden. Die
Handelsbeauftragten in den USA und Europa haben sehr hart und mit
Erfolg daran gearbeitet, diese Handelstreitigkeiten unter Kontrolle zu
halten und Vergeltungsmaßnahmen und Handelskriege zu vermeiden.
Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Erfolg jetzt revidiert wird.


Das Gespräch führte Sandra Louven.

















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