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Re: German real wages in the Depression\Classical Views



you don't say!

On 6/9/05, tom walker <lumpoflabour@xxxxxxxx> wrote:
> "Lord Keynes entwarf im Frühjahr 1943[61]  in der
> Konsequenz seiner Theorie eine Langfristprognose für
> die Nachkriegszeit, die drei Phasen aufzeigt, die
> weithin eingetreten sind. Keynes plädierte für ein
> Langfristprogramm gesamtwirtschaftlicher
> Investitionssteuerung, damit "es gar nicht erst zu
> größeren konjunkturellen Schwankungen kommt, sondern
> die kontinuierliche Absorption der Ersparnis durch die
> Investitionen gewährleistet ist"[62].
> 
> "Kurz gefaßt, sah Keynes für die erste Phase des
> Wiederaufbaus noch die Notwendigkeit staatliche
> Kontrollen des Verbrauchs und der
> Investitionstätigkeit, für die zweite die Aufhebung
> dieser Kontrollen sowie ein langfristig angelegtes
> Investitionsprogramm unter öffentlicher Kontrolle, um
> Schwankungen im privaten Sektor durch gegenläufige
> Bewegungen zu korrigieren. Im Übergang zur dritten
> Phase sei unter Bedingungen der Vollbeschäftigung
> notwendig, "sinnvollen Konsum zu ermutigen, vom Sparen
> abzuraten und einen Teil des unerwünschten Surplus
> durch vermehrte Freizeit zu absorbieren – mehr Urlaub
> (eine wunderbare Art, Geld loszuwerden!) und weniger
> Arbeitsstunden".[63] Langfristig müsse Ziel sein, "die
> Nettoinvestitionen zu reduzieren und den Verbrauch
> (oder, alternativ, die Freizeit) zu steigern".[64]
> Bedingung für die dritte Phase ist die gelingende
> Aufrechterhaltung von Vollbeschäftigung.
> 
> "Wird die Prognostik der empirischen
> Wirtschaftsentwicklung konfrontiert, läßt sich sagen,
> daß in den 50er und 60er Jahre Wachstumsraten bis um
> 10% auftraten. Viele Wissenschaftler gingen noch in
> den 60er Jahren davon aus, das Bruttoinlandsprodukt
> könne jährlich real um 4% wachsen, woraus sie
> folgerten, alle Arbeitsuchenden seien allein durch
> Wirtschaftswachstum in den Arbeitsmarkt zu
> integrieren, doch es ließ gemäß der Prognose von
> Keynes deutlich nach. Nach Abbau des
> Nachfrageüberhangs im Wiederaufbaubedarf traten in
> wohlhabenderen Haushalten von den 70er Jahren an die
> von Keynes erwarteten Sättigungserscheinungen ein. Die
> Nachfragedynamik der Besserverdienenden ließ nach. Der
> leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit führte bei
> Arbeitslosen zu Einkommensausfällen mit entsprechendem
> erneuten Nachfragerückgang. Der Prozeß von
> Arbeitslosigkeit zu Einkommensrückgang zu
> Nachfrageüberhang zu erneuten Beschäftigungseinbußen
> führte seither zu steigender Arbeitslosigkeit. Rechnet
> man alle Wachstumsraten der OECD-Staaten zusammen, gab
> es nur einmal in den 80er Jahren ein reales Wachstum
> von 4%, auch Deutschland lag unter dieser Marke (nur
> die deutsche Vereinigung sorgte ab 1990 vorübergehend
> für bessere Ergebnisse). Die realen Wachstumsgrößen
> bewegen sich seit den 80er Jahren um die 2% (nur im
> Jahre 2000 bei 3% infolge des niedrigen Wechselkurses
> des eingeführten Euro), worin die nachfrageorientierte
> Theorie den Beleg sieht, daß mit Wachstum die
> Arbeitsmarktlage nicht zu bewältigen ist.
> 
> "Die Prognostik spricht angesichts der realen
> Wirtschaftsentwicklung dann nicht gegen die
> nachfrageorientierte Theorie, wenn das Ausbleiben des
> "goldenen Zeitalters" mit Freizeit und allgemein
> steigendem Wohlstand hinreichend mit der nicht
> aufrechterhaltenen Bedingung der Vollbeschäftigung
> erklärt werden kann.
> 
> "Die dritte Phase, in der wir uns heute befinden, ist
> gekennzeichnet durch ständig sinkende Wachstumsraten,
> wie in den OECD-Staaten in den letzten 25 Jahren
> erfolgt. Drei wirtschaftspolitische Maßnahmen empfahl
> Keynes für diese Phase (1.) die Ausgabenausweitung des
> Staates zugunsten des gemeinschaftsorientierten
> Bedarfs, (2.) eine gleichmäßigere
> Einkommensverteilung, um zu vermeiden, daß sich Geld
> in oberen Einkommensschichten sammelt, wo es nicht
> mehr für Massenprodukte nachfragewirksam ist, hingegen
> in den unteren für den Konsum fehlt, und (3.)
> kontinuierliche Arbeitszeitverkürzung.
> 
> "Aus der Perspektive der Theorie von Keynes erweist
> sich die heute populäre Angebotspolitik, welche auf
> Steuerentlastungen zugunsten der Unternehmen, auf
> Lohnspreizung und Lohnzurückhaltung setzt, angesichts
> sinkender Wachstumsraten entweder als illusionär,
> sofern sie Beschäftigung steigern zu können glaubt,
> oder als allein interessegeleitete ideologische
> Suggestion, sofern sie eigentlich auf Erhalt und
> Steigerung der Arbeitslosigkeit zielt, um die
> organisierte Verhandlungsmacht der Gewerkschaften in
> der Preisbildung für Arbeit weiter zu schwächen."
> 
> __________________________________________________
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-- 
Jim Devine
"Segui il tuo corso, e lascia dir le genti." (Go your own way and let
people talk.) -- Karl, paraphrasing Dante.


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