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[OPE-L] socialism insteadt of barbarism (german)



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Sozialismus statt Untergang in der Barbarei
 
DoÄan GÃÃmen
 
Marxens Unterscheidung zwischen âBasisâ und âÃberbauâ ist viel diskutiert worden. Unter Basis versteht er die Gesamtheit der ProduktionsverhÃltnisse, die die Ãkonomische Struktur der Gesellschaft bilden. Ãber diese erhebt sich dann ein ideologischer Ãberbau, der bestimmten gesellschaftlichen Bewusstseinsformen entsprechen. Diese Unterscheidung ist von der bÃrgerlichen Intelligenz schon immer unter dem Vorwand, Marx gehe hier zu einseitig vor, attackiert worden. Dem Marx also, der als Dialektiker die gesellschaftlichen und politischen Strukturen der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, in ihren VerhÃltnissen, in ihrer ganzen WidersprÃchlichkeit, Wirkungen und RÃckwirkungen zueinander, erfassen will, wurde vorgeworfen, er sei nicht dialektisch genug. Das MerkwÃrdige dabei ist, dass dieser Vorwurf gerade von der bÃrgerlichen Intelligenz kommt, - als wÃre sie Dialektikerin -, die doch die Dialektik mit allen Mitteln bekÃmpft.
 
Geschichte und soziale Revolutionen
 
Kommunisten sind erbarmungslose Kritiker. Aber noch erbarmungsloser sind sie in der Selbstkritik. Engels selbst hat mehrmals darauf hingewiesen, dass er und Marx, um gegen die vor allem in Deutschland vorherrschende idealistische Philosophie und voluntaristische Politik den materialistischen Charakter ihrer Philosophie und die Notwendigkeit einer auf objektiven Gesetzen der Gesellschaft gegrÃndeten Politik zu betonen, die Wirkung der Basis auf den Ãberbau besonders betont, aber die RÃckwirkung des Ãberbaus auf die Basis nicht genÃgend beachtet haben. Er hat aber die Grundaussage Marxens nicht revidiert. Worum geht bei dieser Unterscheidung?
Marx geht es bei dieser Unterscheidung um nicht geringer als die Beantwortung der Frage, wie und warum in der Geschichte Entwicklung gibt. Marx sagt: âAuf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen ProduktivkrÃfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen ProduktionsverhÃltnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafÃr ist, mit den EigentumsverhÃltnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der ProduktivkrÃfte schlagen diese VerhÃltnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine EPOCHE sozialer Revolution ein.â (MEW 13, 9; meine Hervorh.)
 
Die Entwicklung der ProduktivkrÃfte stellt die materielle Grundlage fÃr die Entwicklung der Gesellschaft. Marx sagt nun, dass auf einer bestimmten Entwicklungsstufe die EigentumsverhÃltnisse in Widerspruch zu der Weiterentwicklung der ProduktivkrÃfte geraten. Er fÃgt dann hinzu, dass dieser Konflikt sich auch in den âjuristischen, politischen, religiÃsen, kÃnstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formenâ ausdrÃckt. Die Verhinderung der Weiterentwicklung der ProduktivkrÃfte kommt also einer Verhinderung der Weiterentwicklung der ganzen Gesellschaft gleich. Deshalb findet zwischen den konservativen und progressiven KrÃften auf allen gesellschaftlichen Feldern ein totaler Kampf um Tod und Leben fÃr einen qualitativen Sprung in der Weiterentwicklung der Gesellschaft statt - der eben eine ganze âEpocheâ von Schlachten, Niederlagen und Siegen dauern kann.
 
Rosa Luxemburgs revolutionÃre Deutung
 
Viele Linke, unter ihnen auch âModernistenâ in unserer Partei, haben die bÃrgerliche Kritik an der Aussage von Marx unhinterfragt Ãbernommen. Schon Rosa Luxemburg sah sich veranlasst, die KlÃrung des Sachverhalts aus marxistischer Sicht vorzunehmen. Was bedeutet hier der Widerspruch zwischen den ProduktivkrÃften und ProduktionsverhÃltnissen. Nachdem Luxemburg in ihrer âEinfÃhrung in die NationalÃkonomieâ die Bedingungen dargestellt hat, dass die kapitalistische Produktion nur durch die weltweit fortschreitende Trennung der Produzenten von ihren Produktionsmitteln mÃglich ist, klÃrt sie die Frage, was die kapitalistische Gesellschaft unmÃglich, d. h. die revolutionÃre Ãberwindung notwendig macht.
 
Sie sagt: âDazu brauchen wir die eigenen inneren Gesetze der Kapitalherrschaft nur in ihrer Weiterwirkung zu verfolgen. Sie sind es selbst, die sich auf einer gewissen HÃhe der Entwicklung gegen alle die Grundbedingungen kehren, ohne die die menschliche Gesellschaft nicht bestehen kann.â (GW 5, 772) Was Marx ProduktivkrÃfte nennt, umschreibt Luxemburg hier mit âGrundbedingungenâ der âmenschlichen Gesellschaftâ: Die âEntwicklung der ProduktivitÃt der menschlichen Arbeitâ ist âdie Grundlage des ganzen Kulturfortschrittsâ oder âder Existenz jeder menschlichen Gesellschaftâ. (Ebenda, 771) Diese Umschreibung Luxemburgs, dass auf einer bestimmten Entwicklungsstufe der ProduktivkrÃfte die ProduktionsverhÃltnisse in Fesseln umschlagen und so die Weiterentwicklung der Gesellschaft verhindern, bringt uns zu viel aktuelleren Problemen.
 
Kapitalismus frisst die Grundlagen der menschlichen Existenz
 
In allen Lebensbereichen greift die kapitalistische Produktionsweise die Grundlagen der menschlichen Existenz. Allein die Tatsache, dass wir jeden Tag mit der Gefahr des Atomtods ins Bett gehen und aufstehen mÃssen, ist Grund genug zu erkennen, dass eine friedliche menschlichen Existenz unter kapitalistischen VerhÃltnissen nicht mÃglich ist. Doch nur zwei weitere aktuelle Themenkomplexe zur Verdeutlichung.
 
Erstens: Gerade in Ãkologischen Fragen wird viel Heuchelei betrieben. Immerhin hat die Diskussion der letzten Jahre Ãber den Klimawandel die Erkenntnis zu Tage gefÃrdert, dass viele der Ãkologischen Probleme, mit denen die Menschheit gegenwÃrtig konfrontiert sind, auf menschliche Ursachen zurÃckzufÃhren sind. Die bÃrgerlichen Wissenschaftler und Politiker fÃhren den GrundÃbel auf das Konsumverhalten der Menschen zurÃck, so z. B. auf das Autofahren usw. anstatt auf die Tatsache, dass auf Kosten der Ãffentlichen Verkehrsmittel Autos produziert und stÃndig StraÃen- und Autobahnnetze ausgebaut werden. Aber wie bereits Marx und Engels gezeigt haben, erfordert auch ein Leben im Einklang mit der Natur, dass das GrundverstÃndnis, mit der die Natur angeeignet wird, grundsÃtzlich verÃndert werden muss. Dies bedeutet, dass die Natur nicht mehr als Quelle zur Produktion von Waren und Profit, sondern von GÃtern zur Befriedigung von BedÃrfnissen betrachtet werden muss. Auch die Lebensmittelskandale der letzten Jahre haben gezeigt, dass deren Ursache letztlich auf das Prinzip Konkurrenz zurÃckzufÃhren sind, das die Grundlage der kapitalistischen Produktion ist.
 
Zweitens: Die Produktivkraftentwicklung hat viele VorzÃge mit sich gebracht, die sich im Kapitalismus in ihren Gegenteil verkehren. So z. B. dank der Entwicklung auf dem Gebiet der Medizin kÃnnen Menschen heute viele lÃnger leben. Doch aus der Sicht der kapitalistischen Produktion wird das als eine Last empfunden, was sich in der Diskussion Ãber das Rentenalter zeigt. In einer stÃndig reicher werdenden Gesellschaft mÃsste sich die Gesundheitsversorgung immer verbessern. Doch was im Rahmen der Gesundheitsreform umgesetzt wird, bringt genau das Gegenteil mit sich. Durch die Steigerung der ProduktivitÃt kÃnnen viele Produkte heute in viel kÃrzeren Zeiteinheiten produziert werden. Dies mÃsste in einer vernÃnftig organisierten Gesellschaft zur VerkÃrzung der Arbeitszeit und VerlÃngerung der Freizeit fÃhren. Doch unter kapitalistischen Bedingungen wird die Produktivkraftentwicklung zur Last, weil sie nÃmlich zur VerlÃngerung der Arbeitszeit und ErhÃhung der Arbeitslosenzahl fÃhrt.
 
Diesen Sachverhalt hat Marx als Ausdruck des Widerspruchs zwischen der Entwicklung der ProduktivkrÃfte und der herrschenden ProduktionsverhÃltnissen beschrieben. Und Rosa Luxemburg hat dargelegt, dass unter den Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise dieser Widerspruch sich permanent verschÃrfen wird. Wer sich vom Kapitalismus noch die LÃsung der offensichtlichen Grundprobleme der Menschheit erhofft, der leidet unter einer groÃen Illusion. Die Oktoberrevolution hat die Epoche zur Ãberwindung des Kapitalismus fortgesetzt, die die Pariser Kommune mit der Revolution von 1871 erÃffnet hatte. Der Menschheit bleibt fÃr die Rettung der Existenzgrundlagen des gesellschaftlichen Lebens nicht mehr viel Zeit. Denn die Gefahr des Untergangs in der kapitalistischen Barbarei ist heute mehr unmittelbarer denn je. Sie kann ihr Geschick noch umkehren. Doch dazu mÃsste sie mit allen Mitteln das Werk vollenden, das von Pariser Kommunarden angefangen und Bolschewiki fortgesetzt wurde.

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